Jelení hlava

Das untergegangene Dorf Jelení (Hirschenstand) wurde als Bergmannsort von thüringischen und sächsischen Ansiedlern gegründet. Lange vorher (vermutlich schon im 12. Jahrhundert) wurde in Anschwemmungen des Baches Slatinný potok und dessen Nebenflüssen nach Zinngraupen geseift. Im 15. Jahrhundert trat zum Seifenabbau auch der Montanabbau von Primärerzen hinzu. Den größten Aufschwung erfuhr der Bergbau in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, worauf überlieferte Eintragungen im Neudeker Bergbuch hindeuten. Die Bergwerke und Erzseifen in der Nähe von Jelení sind sogar während des Dreißigjährigen Krieges weiterbetrieben worden – protestantische Glaubensflüchtlinge wurden damals durch neue Bergbauunternehmer ersetzt. Als der Graf von Tschernin 1633 das Neudeker Herrschaftsgut kaufte, wurde das Zinnbergwerk im Kaufvertrag als ein besonders wichtiger Posten erwähnt.

Eine Sehenswürdigkeit des Zinnbergbaues ist das am Abhang der Kote „U Štoly“ (941,3 m) befindliche Erzrevier Jelení hlava (Hirschkopf). „U Štoly“ („Am Stollen“) ist eine südlich von Jelení befindliche bewaldete Anhöhe, die sich steil über dem Bett des Baches Slatinný potok erhebt. Auf der Lagerstätte wurde Bergbau mit einigen Unterbrechungen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben.

Die Erz-Hauptzone ist in SW-Richtung steil abfallend und weist eine nordwestliche Streichlänge auf. Sie ist stellenweise über 20 m breit und besteht aus einer Serie von mehreren Dezimetern mächtigen Greisenadern. Parallel dazu verläuft weiter im Nordosten eine andere Greisenzone, die durch einen ca. 320 m langen Abbau erschlossen wurde. In der Querrichtung verlaufen ebenso erzführende Strukturen – eine ca. 15 m breite Greisenzone im Süden und der Erzgang Grüner Hirsch im Nordbereich der Lagerstätte. Am reichsten war die Vererzung an der Kreuzung der Zonen, wo die Schächte Bärenzeche, Johanniszeche und Hirschkopfzeche gegründet wurden.

Die Lagerstätte wurde mit zwei Stollen aufgeschlossen. Der Erbstollen war 360 m lang und mündete oberhalb des Baches Slatinný potok. Das Mundloch des höher gelegenen Stollens der Hirschkopfzeche befand sich etwa in der Mitte des Abhangs. Die gewonnenen Zinnerze wurden in örtlichen Pochwerken zerkleinert, durch Spülen angereichert und zur herrschaftlichen Zinnhütte in Nejdek transportiert.

Die letzten Arbeiten zielten nur noch auf Erkundung und datieren in die 30er und 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Bis heute sind in der Umgebung Überreste des Bergbaus sichtbar – sehr schön ist der Abbau erhalten und auch verbrochene Stollenmund- und Schurflöcher sind erkennbar.